2012

2012 - Auf der Bühne und im Studio

Im Proberaum entstehen zwischen Januar und April 2012 die zwei neuen Songs "Eigentlich Urlaub" und "Dresden-Blues". Peter und ich nehmen die Songs im Proberaum auf, damit wir gewisse Abläufe und Übergänge bis zur nächsten Probe nicht vergessen. Für die Aufnahme nutzen wir allerdings keine hochwertige Tontechnik, die wir uns gar nicht leisten können, sondern lediglich eine einfache und handelsübliche Videokamera. Zuhause wird dann aus dem Film eine Audiodatei im MP3-Format, um die Songs auch unterwegs auf dem MP3-Player hören zu können. Gerade Peter nutzt diese Vorgehensweise oft, um sich die Songtexte immer und immer wieder anzuhören, bis sie sich in seinem Hirn einprägen und er sie auswendig kann. Das funktioniert einwandfrei und Peter wird schnell zum textsichersten Sänger, den ich kenne.

Nach vier Monaten im Proberaum bekommt man aber auch recht schnell wieder einen gesunden Heißhunger darauf, vor einem Publikum aufzutreten.

Es ist der 27. April 2012 und der diesjährige Tourauftakt bei einer privaten Hochzeitsfeier in Coswig steht auf dem Programm. Nach einem langen Stau während der Anreise, treffen wir gerade noch pünktlich um 18 Uhr in der Gaststätte "Talkenberger Hof" ein. Unsere Technik wurde von Kalle, dem ehemaligen Sänger von "Diabolic-Rider", bereits transportiert und aufgebaut und wartet vor Ort schon sehnsüchtig auf ihren Einsatz. Nach einem kurzen Soundcheck mit einem anfänglichen Mikrofonkabel-Problem, welches wir aber schnell beheben können, starten wir unser Live-Programm vor ungefähr dreißig Zuschauern. In insgesamt vier Etappen präsentieren wir den Hochzeitsgästen unser vollständiges Songmaterial und agieren sozusagen als Begleitband des Abends. Die Stimmung ist phänomenal. In den Pausen wird sich reichlich unterhalten, amüsiert und das leckere Buffet gestürmt. Eine Besonderheit des Abends bildet dann allerdings das allseits bekannte Lied "Es klappert die Mühle", welches wir, auf Wunsch des Hochzeitspaares, mit einem eigenen Text für das junge Eheglück vortragen. Somit hat unsere Setlist sogar einen persönlichen Touch für die Zuschauer bekommen. Gegen Mitternacht packen wir gut gesättigt - und mit ein paar Bierchen im Bäuchlein - unseren Kram zusammen und fahren zufrieden nachhause.

Klein aber fein geht es, einen knappen Monat später, weiter. Ringo P. aus Heidenau lädt uns in seine Wohnung ein, damit wir bei seiner Geburtstagsfeier auftreten. Als wir am 20. Mai 2012 um 14 Uhr bei ihm eintreffen, werden wir direkt von der ganzen Familie in Empfang genommen. Nach Kaffee und Kuchen spielen wir die ersten elf Songs unserer Setlist. Die anschließende Pause nutzen wir für einen ausgiebigen Spaziergang an der Elbe, bei bestem Wetter und mit tollen Gesprächen. Als wir zurück sind, geht es direkt in die zweite Runde des Live-Programms, welches nochmal dreizehn Titel beinhaltet. Nebenbei wird auf dem Balkon der WBS70-Plattenwohnung schon mal der Grill angeheizt, damit die Würstchen auch rechtzeitig fertig sind. Zum Schluss ist die Stimmung so wunderbar, dass wir ein paar Songs nochmal spielen müssen. Schließlich endet der Abend mit einem gemütlichem Abendessen unter neu gewonnenen Freunden.

Die kleinen Wohnzimmerkonzerte machen Peter und mir richtig Spaß. Dennoch wäre es doch schön, wenn wir nach nunmehr zwei Jahren, die wir zusammen musizieren, auch mal vor einem größeren Publikum spielen könnten. Und siehe da, im Mai 2012 bietet sich uns genau ein solcher Auftritt an. Eines Tages meldet sich telefonisch ein Veranstalter aus Neustadt in Sachsen bei mir. Er sagt, er wäre von einem Reitverein und hätte, über die Mutter meiner Freundin, von unserer Band erfahren. Er sagt, er wäre der Organisator eines Straßenfestes und möchte unsere Band gern dafür engagieren. In der Tat ist die Mutter meiner Freundin in diesem Reitverein tätig und hat ihm wohl unsere Webseite empfohlen, auf der es mittlerweile auch Hörproben von uns gibt. Jetzt fragt mich dieser Veranstalter doch tatsächlich, ob wir Lust hätten am 2. Juni 2012 für ihn zu spielen. Ich denke mir: "Was für eine überflüssige Frage. Ein Auftritt auf einer riesigen Openairbühne, mitten im Stadtzentrum, vor über 300 Leuten?!" Natürlich haben wir darauf Lust! Ich lass mir die restlichen Konditionen durchgeben und sage schließlich zu.

Am Tag der Veranstaltung fahren wir mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, bewaffnet mit Mundharmonika-Sammlung, meiner gerade neu angeschafften, halbakustischen Klampfe der Marke "Fender" und einem Mikrofon, in das 35-Kilometer entfernte Neustadt in Sachsen, zu unserer bisher größten Mugge. Wir sind natürlich extrem aufgeregt, dass am Ende auch alles klappt, wir die Leute gut unterhalten können und vielleicht den einen oder anderen neuen Fan für uns gewinnen können. Nach einigen Verzögerungen dürfen wir dann um 19.45 Uhr endlich auf die Bühne und präsentieren unsere Show. Das Wetter ist grandios und der Blick von der Bühne gigantisch! Wir blicken die Böhmische Straße hinunter und überall sind Menschen, die ausgelassen feiern und tanzen. Die ganze Stadt muss auf den Beinen sein. Unmittelbar vor der Bühne versammeln sich schnell zirka zwanzig junge Frauen, die ganz offensichtlich einen Junggesellinnenabschied feiern und schon gut einen getankt haben. Es dauert nicht lange und eine von ihnen steht direkt neben uns auf der Bühne und lallt uns zu. Sie will, dass Peter sich oben herum frei macht und sich von ihr, mit einem Edding, die nackte Brust signieren lässt. Nach kurzer Diskussion lässt sich Peter erweichen und entblößt seinen Oberkörper. Das Publikum tobt, feiert uns für diese Aktion und das ohrenbetäubende Kreischen der restlichen Mädels vor der Bühne werde ich definitiv noch einige Tage im Ohr haben. Es dauert am Ende eine ganze Weile, bis wir nach dieser Überraschung mit unserem Programm weitermachen können. Hinter der Bühne wartet währenddessen schon ungeduldig die Band SIMULTAN, die uns übrigens beim Auf- und Abbau helfend zur Seite stand und unmittelbar nach uns auftreten soll. Durch die ganzen Verzögerungen müssen wir, nach einer Ermahnung des Veranstalters, nach nur fünf gespielten Songs, etwa zwei Drittel unserer vorbereiteten Setlist streichen und die Bühne räumen. Immerhin konnten wir in der kurzen Zeit "Komm doch mit", "Hinter den Städten", "Alles nur geklaut", "Junimond" und "Einsam & Allein" spielen und die tolle Stimmung genießen. Aber wir hätten ohne Zweifel gern weitergespielt. Nach unserem Auftritt schlendern wir noch sehr lange, gemeinsam mit meiner Freundin und ihrer Familie, über das Festgelände und kassieren jede Menge Lob von den Leuten.

Als ich zuhause bin, schreibe ich einen Konzertbericht für die Webseite und unsere nagelneue Facebookseite, bestückt mit Bildern und persönlichen Erinnerungen. Danach fülle ich die Bandkasse mit den Einnahmen des Auftrittes. Ich staune nicht schlecht. Da ist eine ganze Menge zusammengekommen, nicht zuletzt über den erstmaligen Verkauf unserer neuen Merchandise-Produkte, wie z.B. Nadelbuttons und Feuerzeuge mit unserem brandneuen Perlenfischer-Bandlogo, die meine Freundin vor der Bühne unter die Leute gebracht hatte. Der Auftritt hat sich also, in jeglicher Hinsicht, voll und ganz für uns gelohnt.

Das Bandlogo entstand übrigens über eine Aktion, die wir auf unserer Webseite machten. Wir riefen unsere Fans dazu auf, uns Ideen und Vorschläge für ein passendes Perlenfischer-Logo zuzusenden. Anschließend starteten wir ein Voting, in dem die Leute für das schönste Logo abstimmen konnten. Gewonnen hatte diesen Wettbewerb eine Romy aus Chemnitz. Sie passte das Logo dann noch für uns an, also verbesserte es optisch und schmückte es unseren Wünschen entsprechend aus. Dafür sind wir ihr bis heute sehr dankbar und tragen das Bandlogo seither mit Stolz und Würde auf unseren Shirts und in unseren Herzen.

Mittlerweile ist es Juli und noch immer zehren wir von der tollen Erfahrung in Neustadt, vor so vielen Leuten gespielt zu haben. Aber es ist Zeit, sich für die nächsten Auftritte vorzubereiten. Eine gute Gelegenheit bietet sich dafür zur Feier anlässlich meines 25. Geburtstages. Wir feiern am 8. Juli 2012, mit Familie und Freunden, im Garten meiner Mutter auf der Döbelner Straße und spielen im ersten Teil des Konzertes vierzehn Songs. Darunter befinden sich erstmals auch die zwei neusten Songs von uns: "Paradies" und "Dresden-Blues". In der Pause verzehren wir, bei bestem Sommerwetter, Kuchen und Kaffee und Josephine zaubert ein Quiz mit 15 Fragen aus meinem Leben aus dem Ärmel. Zu gewinnen gibt es lustige Präsente für die teilnehmenden Gäste. Im Anschluss überrascht mich Peter mit einem 15-minütigen Soloauftritt und sorgt mit den Songs "Lebenszeit" von den PUHDYS, "Manchmal aber nur manchmal" von der Band "DIE ÄRZTE", "Geboren um zu leben" von UNHEILIG, "Kling Klang" von KEIMZEIT und "Verdammt ich lieb' Dich" von MATTHIAS REIM nochmals für gute Stimmung und Abwechslung. Als wir danach mit dem zweiten Teil des Perlenfischer-Konzertes starten, reißt mir auf der Gitarre die D-Saite. Fast zeitgleich versetzt ein mörderisches Gewitter unsere Zuhörer in Hektik, sodass wir nur noch vier Lieder unserer Setlist spielen können, bevor die vielen Köstlichkeiten vom Grill und auch unsere Technik vor dem plötzlichen Starkregen gerettet werden muss. Das reichhaltige Abendbrot nehmen wir in der Wohnung meiner Mutter zu uns.

Nachdem die Gitarre neue Saiten bekommen hat, kann es nun, nur eine Woche nach meiner Geburtstagsfeier, weitergehen. Radio Streamland lud uns am 14. Juli 2012 zum Sommerfest nach Pegau, in der Nähe von Leipzig, ein. Wir fahren gegen 12 Uhr wir mit dem Auto in Dresden los, um am Abend als Vorband von FRANK PROFT aufzutreten. Auf der Autobahn überrascht uns eine gewaltige Gewitterfront, die uns mit ihrem Hagel die Sicht so sehr erschwert, dass wir im Schritttempo über die Autobahn tuckern, um nicht von der Fahrbahn abzukommen. Als wir gegen 14 Uhr an der Location eintreffen, beendet FRANK PROFT gerade seinen Soundcheck und die nächste Gewitterfront zieht über uns hinweg. Alle halten das riesige Partyzelt fest, welches droht mit einer der unzähligen Sturmböen davonzufliegen. Schnell wird versucht die Technik abzudecken, denn die Hagelkörner haben inzwischen die Größe von Kirschkernen erreicht. Erst wenn das Unwetter vorbei ist, können wir unseren Soundcheck machen. Währenddessen startet Mirko, der Inhaber des Radiosenders, schon das Bühnenprogramm mit einem Quiz: Auf einem buntlackierten Trabant 601 sind insgesamt 60 Songtitel der PUHDYS in Form von Bildern versteckt, die es nun gilt zu finden und aufzuschreiben. Drei Mal könnt ihr raten, wer sich nach dem Soundcheck an dem Quiz beteiligt und sogar gewinnt! Richtig! Ich hole mir stolz meinen Gewinn am Partyzelt ab. Es ist die aktuelle CD und ein Fanshirt von FRANK PROFT sowie die DVD "Ostrock Klassik" und eine handsignierte Autogrammkarte der PUHDYS. Danach sichere ich mir noch ein paar leckere Würste vom Grill und nasche vom Kesselgulasch, bis wir schließlich gegen 18.30 Uhr auf die kleine, ebenerdige Bühne inmitten des Innenhofes gebeten werden, um unsere einstündige Show zu beginnen. Das Publikum besteht aus zirka 25 Ostrockfans und heizt uns verbal ordentlich ein. Die 19 Songs unserer Setlist werden mit unserer Genehmigung aufgenommen, um sie später im Radio Streamland als Perlenfischer-Sondersendung spielen zu können. Nach dem Konzert geht es auf der Bühne, nach einer kurzen Umbaupause, direkt mit dem Hauptact weiter. Wir sind sehr lange mit dem Verkauf unseres Merchandise und dem Erfüllen der zahlreichen Autogrammwünsche beschäftigt. FRANK PROFT legt eine zweistündige Show hin, die sich wirklich sehen lassen kann. An dieser Stelle möchte ich ihm und seiner Freundin Sandra nochmals für die technische Unterstützung und die konstruktive Kritik danken. Es war für unsere Band ein erfolgreicher Abend, dessen neue Kontakte, in naher Zukunft, sicher noch viele Früchte tragen wird.

Auf unserer Homepage und Facebookseite sehen wir, dass die Besucherzahlen in die Höhe schnipsen. Es hat sich in Ostrockkreisen ganz offensichtlich herumgesprochen, dass es unsere Band gibt. In diversen Foren werden wir mittlerweile sogar als Geheimtipp für Veranstalter genannt. So dauert es nicht lange und es beginnt die Zeit der ersten Interviews. Wir stehen zum Beispiel mehrfach einem Heidenauer Radiosender und natürlich auch dem Radio Streamland, in seiner Perlenfischer-Sondersendung, Rede und Antwort. Dabei werden wir u.a. nach den schönsten Auftritten gefragt. Das ist aber wirklich schwer zu beantworten. Jeder Auftritt ist einzigartig und unvergesslich und hat so seine Besonderheiten. Manche Auftritte brennen sich aber so tief ins Gedächtnis ein, dass man dazu neigt, immer wieder von ihnen zu erzählen. Ich denke manchmal, dass die Leute, die die Geschichten schon hundert Mal gehört haben, ja irgendwann davon genervt sein müssten, aber bisher hat sich niemand bei mir beschwert. Also werde ich diese Storys zukünftig noch weitere hunderte Male erzählen, zum Beispiel vom Auftritt am 17. August 2012 in Radebeul-Lindenau.

An diesem Tag wird der beschauliche Ortsteil nämlich 725 Jahre alt und wir haben die Ehre, das Dorffest auf dem Sportplatz musikalisch zu eröffnen. Für mich ist es ein historischer Ort, denn am Abend des 24. Oktober 2004 gründete ich genau hier, auf diesem Sportplatz, meine erste eigene Band "Diabolic-Rider". Kein Wunder also, dass ich bei der Ankunft in Radebeul viele bekannte Gesichter von früher wiedersehe. Viele von ihnen habe ich wirklich lange nicht gesehen. Nach ein paar Begrüßungsbierchen mache ich mich auf den Weg zur bereits fertig aufgebauten Bühne. Sie ist mit reichlich hochwertiger Technik und riesigen Gitarrenverstärkern ausgestattet. Der Sound und die Lichtshow mit Bühnennebel wird, dank der hervorragenden Techniker, perfekt auf unsere Musik abgestimmt sein. Beim Soundcheck merke ich schon den Druck der Schallwellen, die meinen Bauch vibrieren lassen und das getrunkene Bier mächtig durchschütteln und wohl eilig in Richtung Blase befördern werden. Ich denke mir: "Hoffentlich ist die Schlange vor dem Dixi-Klo zwischen Soundcheck und Auftritt dann nicht so lang, damit ich nochmal aufs Klo gehen kann." Und es kommt natürlich, wie es kommen muss. Die Schlange vor der Toilette ist meterlang und von weitem winkt meine Mutter und meine Oma, die gerade den Sportplatz betreten und mir viel Erfolg für den Auftritt wünschen wollen. Ich halte noch kurz einen Plausch mit ihnen und verschwinde dann in den Backstage-Bereich, um meine Gitarre zu holen. Den Toilettengang habe ich zu diesem Zeitpunkt vergessen. Ich werde mich aber an ihn erinnern, sobald wir auf der Bühne das erste Lied anstimmen. Kurz gesagt: wenn es zu spät ist und ich meine Blase während des Gitarrenspiels unter Kontrolle halten muss. Ich muss mich zusammenreißen, andernfalls könnte es für mich ziemlich nass und peinlich werden. Auch die Technik wäre mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit hinüber. Pünktlich 19:45 Uhr betreten wir nach einer kurzen Anmoderation die Bühne, die faktisch nur ein LKW-Anhänger ist und für sehr wenig Bewegungsfreiheit auf der Bühne sorgt. In den nächsten 45 Minuten können wir also unter Beweis stellen, was wir können und meine Blase, wie viel Geduld sie hat. Wir spielen insgesamt zwölf eigene Songs. Coverversionen sind vom Veranstalter nicht erwünscht, wahrscheinlich um die Zahlung an die GEMA zu vermeiden oder gering zu halten. Egal, die Stimmung ist toll und Peter und ich geben wie immer alles. Wir genießen den Auftritt vor zirka 200 Leuten und würden auch gern noch länger spielen, doch die Bands BAD STUFF, NADA NIENTE und SEDONY wollen natürlich auch noch ihre Show darbieten. Zu manchen von Ihnen werden wir später noch intensiveren Kontakt haben. Wir verlassen also die Bühne und das ist auch gut so, denn ich muss ja nun auch endlich mal meine Blase vom Kampf des ewigen Anhaltens befreien. Das soll mir eine Lehre sein. Nie wieder werde ich vor einem Auftritt den Toilettengang aussparen oder vor mir herschieben.

Am nächsten Tag feiert unsere Band ihr zweijähriges Bestehen im Volume 11. Wir bieten ausgewählten Fans ein zweistündiges Live-Programm mit vielen Überraschungen. Nach einem recht stressigen Soundcheck beginnt um 15 Uhr, nur eine halbe Stunde später, das Konzert, bei dem wir alles spielen werden, was wir bis jetzt können - und noch ein bisschen mehr. Uns ist klar, dass das Publikum zum Jubiläum natürlich nicht nur die bekannten Songs hören will, die wir sonst auch spielen, sondern neues Material auf die Ohren bekommen möchte. Also spielen wir am Ende der ersten Konzerthälfte ein instrumentales Medley, bei dem Peter am Schlagzeug trommelt und ich zur E-Gitarre greife. In diesem Medley sind Songs wie z.B. "Türen öffnen sich zur Stadt" von den PUHDYS, "Smoke on the Water" von DEEP PURPLE, aber auch eigene Songs, wie "Neue Wege", das "Raucherlied" und der "Dresden-Blues" in einer Rockversion enthalten. 

Peter am Schlagzeug? Ja, für manche möge das unmöglich klingen, aber was nur wenige wissen ist, dass Peter, bevor er mich kennenlernte, einige Zeit in einer Trommelgruppe namens FETTE BEATS spielte. Er weiß durchaus, wie man mit Trommelstöcken umgeht. Sicher ist er kein professioneller Drummer, aber für das Medley, welches ihm lediglich einen eingängigen Beat abverlangte, reichte es allemal. Den Leuten hat es gefallen, es war eine gelungene Abwechslung und Peter hatte riesigen Spaß am Schlagzeug. Das ist doch unter dem Strich die Hauptsache. 

Nach einer zehnminütigen Konzertpause geht es mit dem gewohnten Programm weiter und endet schließlich mit einer zweiten Überraschung. Peter und ich singen, passend zum Bandjubiläum, den PUHDYS-Song "Lebenszeit" im Duett. Die Stimmung ist grandios und das zweistündige Programm kommt uns unsagbar kurz vor. Nach dem Konzert bauen wir den Großteil der Bandtechnik ab und verstauen sie im Auto. Vor der Location wird noch auf Peter's Geburtstag angestoßen, das Konzert mit den Fans ausgewertet, viel geredet und gelacht.

Von Mitte August bis Ende November 2012 wird es eine Auftrittspause geben, die wir für die Vorbereitungen unseres ersten offiziellen Tonträgers nutzen werden. Wir haben lange gespart und nun soll endlich ein Album mit all unseren Songs in einem richtigen Tonstudio produziert werden.

Durch Zufall lerne ich genau in dieser Zeit, bei einer Autogrammstunde von CITY, eine Hobbyfotografin aus Dresden kennen. Ihr Name ist Cathleen Kramer und wir unterhalten uns ausgiebig über meine Band und ihre Fotos. Zuhause schaue ich mir die Fotos auf ihrer Webseite an und bin sofort begeistert. Ich buche sie für ein Fotoshooting mit meiner Band, um schöne Bilder für das CD-Cover zu bekommen. Das Ergebnis des Shootings kann sich sehen lassen und so beschließen wir, zukünftig aller zwei Jahre neue Bilder machen zu lassen.

Als die Bilder im Kasten sind, widmen wir uns unseren Tonaufnahmen.

Bisher haben wir unsere Fans, die unbedingt eine CD von uns haben wollten, immer mit selbst gebrannten CD's und selbst gebastelten CD-Cover abgespeist, die meist nur drei bis fünf Titel beinhalteten. Diese Aufnahmen hatten wir einfach im Proberaum mitgeschnitten und mit ein paar Effekten hörbarer gemacht. Dabei hatten wir aber, aufgrund der wirklich miserablen Tonqualität, immer ein schlechtes Gewissen, auch wenn unsere Fans diese CD's immer sehr gern hörten und in den Himmel lobten. Wahrscheinlich war es für sie wichtiger schlechte Qualität zu bekommen, als zuhause gar nichts von uns hören zu können. Doch nun war es an der Zeit, diese ollen Selfmade-CD's einzustampfen und ein für allemal aus dem Verkehr zu ziehen. Unsere Songs und vor allem unsere Fans hatten etwas besseres verdient - eine professionelle Aufnahme mit ansprechender Tonqualität, die man sich dann auch dauerhaft anhören und ohne schlechtes Gewissen verkaufen kann.

Mit diesem Plan fahren wir im Dezember 2012 in den Dresdner Stadtteil Johannstadt, wo wir uns vor einer absolut baufälligen Ruine mit einem jungen Produzenten namens Nathanael Wendt treffen. Das Haus sieht von außen aus, als würde es gleich in sich zusammenfallen. Ein kaputtes Dach, fehlende Wände in den Obergeschossen sowie wachsende Bäume und Büsche auf dem Dach, lassen mich zweifeln, ob wir hier wirklich an unserem Vorhaben arbeiten wollen. Diese Meinung ändert sich aber schnell, als ich die Ruine betrete und das riesige Tonstudio sehe, welches Nathanael dort hinein gezaubert hat. Noch nie zuvor hatte ich ein so gut ausgestattetes und professionelles Studio gesehen. In den kommenden drei Tagen entsteht hier das Perlenfischer-Debütalbum und zugleich das erste professionelle Studioalbum, welches mit meinen eigenen Songs gefüllt sein wird - ein unbeschreibliches und stolzes Gefühl. Ich spiele die 12 Songs auf der Gitarre ein, Peter singt dazu und wertet die Lieder musikalisch mit seiner Mundharmonika auf. Das Schlagzeug imitieren wir mit einem Drum-Computer, weil wir ja noch keinen Schlagzeuger haben. Bassgitarre, Akkordeon und Percussions erzeugen wir mit einem Keyboard. Die Pausen verschönert uns Nathanael mit Kaffee, Tee und tollen Gesprächen. Er erzählt zum Beispiel, dass direkt nach uns die Band STILBRUCH ihr neues Album bei ihm aufnehmen wird. Generell macht Nathanael einen sehr guten Job. Die Arbeit im Studio verläuft völlig entspannt und reibungslos. Zum Schluss bleibt sogar noch Zeit um unseren neusten Song "Acht Wochen" aufzunehmen und mit auf die Platte zu packen.

Zum Heiligabend sendet mir Nathanael alle 13 Songs des Albums, fertig gemixt und gemastert, sodass die CD bereits ab dem 15. Februar 2013 unter dem Titel "Hinter den Städten" im Eigenvertrieb unserer Band erscheint. Sie wird fortan über die Webseite und bei Auftritten verkauft. Natürlich ist so ein Album immer nur eine Momentaufnahme - der aktuelle Stand einer musikalischen Entwicklung. Wenn man als Musiker das fertige Album ein paar Jahre später hört, denkt man oft, dass man da vielleicht noch mehr hätte rausholen können. Aber für damalige Verhältnisse war es, denke ich, schon ganz gut und wir müssen uns keinesfalls dafür schämen.

Das Jahr 2012 neigt sich dem Ende, aber ein Termin steht noch auf dem Plan. Das nunmehr dritte Weihnachtskonzert unserer Band soll am 1. Dezember stattfinden, wieder im Dresdner Volume11. Für die geladenen Besucher haben wir wieder viele Überraschungen vorbereitet. So spielen wir zum Beispiel im ersten Konzertteil den neuen Song "Acht Wochen" erstmals vor einem Publikum und sehen Tränen bei den Zuhörern. Ja dieser Song geht tatsächlich ans Herz, ist aber leider so melancholisch, dass er für ein stimmungsvolles Konzert nicht wirklich geeignet ist. Schließlich sollen die Leute ja bei unseren Konzerten feiern und nicht weinen. Auch ist er mit einer Länge von rund sieben Minuten wirklich zu lang, um ihn weiterhin bei Auftritten zu spielen. Neben zahlreichen bekannten Hits, die wir schon länger live spielen, gibt es am Ende der ersten Hälfte dann nochmal das Instrumental-Medley, mit mir an der E-Gitarre und Peter am Schlagzeug. Die zweite Hälfte, des insgesamt zweieinhalbstündigen Konzertes, eröffnet Peter mit einem Weihnachtssong der PUHDYS: "Glücksstern". Direkt im Anschluss wird "So große Wünsche" gespielt, wo Peter und ich abermals im Duett singen. Anschließend folgt dann ein bekannter Hit dem anderen, zwischendurch immer mal wieder ein eigener Weihnachtssong. Doch die größte Überraschung wird zum Schluss kommen, denn nach der Bandvorstellung beim KEIMZEIT-Song "So", singt Peter "Weihnachten in Familie" von FRANK SCHÖBEL. Direkt danach stellen wir dem Publikum unseren neuen Schlagzeuger vor und wecken zum Ende des Konzertes einmal mehr die Neugier unserer Fans.

Marcel, ein junger, kleiner und schüchterner Typ mit Gel im Haar meldete sich eines Tages bei uns und wollte als Zweitgitarrist bei uns einsteigen. Peter und ich waren uns damals aber einig, dass wir statt einer zweiten Gitarre, lieber erstmal einen Schlagzeuger einstellen wollten, weil viele Fans schon seit einiger Zeit mehr Abwechslung in unseren Songs und auch auf der Bühne forderten. Obwohl es gar nicht so schlecht klang, was Marcel da auf seiner Klampfe zupfte, sagten wir ihm: "Entweder Du lernst Schlagzeug oder aus uns drei Musikern wird nix." Also setzte sich Marcel, auf unseren Wunsch hin, doch ans Schlagzeug und wollte es wenigstens probieren, auch wenn er an den Trommeln noch nicht so viel Erfahrung hatte. Ein mutiger Schritt von ihm, der meinen größten Respekt verdient und es ihm ermöglichte, dabei zu sein. Marcel kam dann regelmäßig zur Probe und wir arrangierten unsere Lieder entsprechend um. In dieser Zeit entstand unter anderen auch der Coversong "Alles nur geklaut" von den PRINZEN, in einer ganz eigenen Rockversion. Auch "Weißer Schnee", eine Eigenkomposition von mir, nahmen wir mit Marcel das erste Mal in Angriff. Zwei absolute Rocksongs, mit denen man zukünftig auf der Bühne ordentlich abrocken konnte.

Doch leider war nicht sehr viel Zeit, um mit Marcel zu proben und so kann er, bei seinem ersten Auftritt mit uns, nur die letzten sechs Songs mitspielen. Als Zugabe wird zu dritt mit Schlagzeug, E-Gitarre und Mundharmonika improvisiert und Marcel feierlich als festes Mitglied in die Band aufgenommen. Ein Abend voller Rückblicke, vorweihnachtlicher Stimmung und auch einem Blick in die Zukunft, geht zu Ende und es wird natürlich auch nach diesem Konzert wieder das Gespräch mit den rund zwanzig Zuschauern gesucht. Viele Fans sind glücklich mit dem neuen Schlagzeuger und sagen, er sei eine Bereicherung für unsere Musik, aber wir sollen noch an unserer Performance arbeiten, die wäre stark verbesserungswürdig. Vor allem Peter würde manchmal ziemlich albern aussehen, wenn er sich bewegt. Und ja, die Fans haben Recht. Immer hatten wir uns bisher nur auf die Musik konzentriert und uns um Auftrittsmöglichkeiten und neue Songs bemüht, die Performance hatten wir tatsächlich nur sekundär auf dem Schirm. Wir wissen, dass wir hart daran arbeiten müssen.