2013

2013 - Der Weg zum Superstar

Ich bin meinem Traum, eine richtige Rockband auf die Beine zu stellen, wieder einen Schritt näher gekommen. Mit einem Schlagzeuger kann ich nun viel öfter zur E-Gitarre greifen und wir als Band wesentlich mehr Druck in den Songs aufbauen, musikalische Akzente setzen und natürlich auch taktvoller spielen.

Doch es dauert nur ein paar Wochen bis ich feststelle, dass der neue Schlagzeuger ein Mensch ist, der am liebsten ganz schnell erfolgreich werden will. Das kann man sicher auch, mit sehr viel Übung, Fleiß und vor allem dem Willen, etwas für den Erfolg zu tun. Meiner Meinung nach fehlt ihm aber genau das. Ich habe oft den Eindruck, dass Marcel nur zu den Proben kommt, um Spaß zu haben. Er bringt sehr selten eigene Ideen mit und bereitet sich zuhause nie auf die nächste Probe vor. Auch zeigt er selten die Ernsthaftigkeit, sich mit unserer Musik auseinanderzusetzen und zu identifizieren. Hinzu kommt, dass Marcel sehr oft unpünktlich ist oder kurzfristig Termine absagt und wir bei jeder Probe, die mit ihm stattfindet, quasi wieder bei Null anfangen müssen. Das beansprucht nach mehrmaligen Vorkommen unheimlich viel Zeit, die man als Band nicht hat und nervt natürlich auch ganz gewaltig. Ich sage ihm immer wieder, dass der Proberaum sehr viel Geld kostet und nicht allein zum Üben für den Einzelnen stattfindet. In den Bandproben müsse das Miteinander geübt werden, musikalische Feinheiten besprochen und Übergänge und Abläufe abgestimmt und geprobt werden, für mehr ist einfach keine Zeit. Sein Instrument und seine Parts müsse dann jeder für sich alleine lernen, anders würde eine Band nicht funktionieren. Marcel hört sich meine Standpauken sehr oft geduldig an und nickt freundlich und verständnisvoll, ändert sein Verhalten allerdings nie. Ich werde immer unglücklicher mit ihm und bin mir sicher, dass das so wie es ist, wohl nicht lange gut gehen wird. Peter und ich werden ihn aber vorerst nicht rausschmeißen und spielen dieses Spiel noch eine ganze Weile mit. Wir wissen ja zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass Marcel schon bald ganz andere Pläne haben wird.

Im Frühjahr 2013 bringt Marcel einen älteren Herrn mit in den Proberaum. Dieser stellt sich Peter und mir als Manager und Produzent vor. Er sagt, er hätte schon für sehr bekannte Künstler in einer der größten deutschen Plattenfirmen gearbeitet. Als ich ihn allerdings frage, für welches Unternehmen und welche Künstler er bisher tätig war, kann er mir keine glaubhafte Angabe machen. Er weicht gekonnt meinen Fragen aus, was ihn mir gegenüber direkt unsympathisch macht. Der ominöse Typ interessiert sich wohl sehr für das, was wir machen, sagt er. Er will am liebsten sofort alle Songs auf einmal hören. Doch auf mich wirkt dieser Mann, mit den schiefen Zähnen und der pinken Armbanduhr aus einem Kaugummiautomaten, sehr dubios. Ich mute mir, bezüglich solcher Situationen, sehr wohl schon eine gewisse Menschenkenntnis zu, die sich wenige Minuten später auch schon bestätigen soll.

Ich spreche ihn auf die Band SILLY an, die ja bei seinem (angeblich) letzten Arbeitgeber einen Plattenvertrag hat und mit ihrem Album "Kopf an Kopf" kürzlich die deutsche Chartspitze erklommen hat. Nun fängt er an, nervös herumzustottern und sich immer mehr in gefährliches Unwissen zu verstricken. Schließlich steht er direkt vor Peter und mir - zwei waschechten und jahrelangen Ostrockfans. "Der Apfeltraum" wäre von den PUHDYS, "Alt wie ein Baum" von RENFT und "Über sieben Brücken" hätte KARAT bei PETER MAFFAY geklaut. Zu guter Letzt streitet er sich mit mir rum, dass Tamara Danz nie die Sängerin bei SILLY gewesen wäre, weil bei SILLY schon immer ein Mann am Mikrofon stünde. In diesem Moment steht für mich fest, dass uns dieser Kerl nie produzieren, geschweige denn managen oder groß rausbringen würde oder könnte. Er weiß einfach überhaupt nichts über die Musikrichtung, die wir unserem Publikum präsentieren.

Aber Marcel ist absolut überzeugt davon, dass dieser Hochstapler unser Mann sei. Der Scheinmanager verspricht uns sogar einen Auftritt bei einem Festival, bei dem wir vor sechstausend Leuten spielen würden. Als wir ihn fragen, wo und wann diese Veranstaltung stattfinden soll, weicht er uns wieder gekonnt aus, um uns mit einer neuen Idee zu überzeugen: "Und wenn ihr hundert Euro in Vorkasse geht, dann mach ich Euch das Ding klar und ihr bekommt gleich noch eine einstündige Radio- und Fernsehsendung bei einem renommierten Sender dazu." Schmieriger und unglaubwürdiger geht es nicht. Ich habe jetzt genug gehört und sage ihm: "Ich zahle doch kein Geld, um irgendwo spielen zu dürfen. Das ist absolut verkehrte Welt!" Ich sage ihm außerdem, er solle doch bei der nächsten Probe mal einen Gastspielvertrag vorbeibringen, den dann unsere Rechtsanwälte prüfen würden. Plötzlich will er, dass wir ganz schnell anfangen unsere Songs zu spielen, weil er heute noch einen ach so wichtigen Termin hätte. Überrascht von der plötzlichen Hektik spielen wir ihm etwas widerwillig den "Dresden-Blues", "Alles nur geklaut" und den "Apfeltraum" vor. Dabei dreht sich der "Spezialist" zur Wand, um die Musik "noch intensiver aufzusaugen", wie er später zugibt. Ich bastele bei den drei Songs mit voller Absicht, extrem böse klingende, Verspieler ein, nur um zu testen, wie gut sein Gehör wirklich ist und siehe da, kein einziger Fehler fällt ihm auf. Für mich ist er nun als ein Betrüger, als ein Nichtskönner und als, ach was weiß ich noch alles, entlarvt. Aber definitiv ist er kein Produzent mit Berufserfahrung, das hat er nun mehrfach, zweifellos und ausreichend unter Beweis gestellt. Peter kann ich in einer ruhigen Minute auch davon überzeugen, dass wir lieber die Finger von diesem Kerl lassen sollten. Marcel aber bleibt bei seiner Meinung, dass uns der Typ "ganz riesig fett groß" raus bringen wird.

Wie ich zu Hause bin, falle ich aus allen Wolken, als ich meine Emails lese. Der angebliche Manager schreibt doch tatsächlich, dass ab sofort nur noch er bestimme, was in unserer Band gemacht wird, welche Songs wir von nun an spielen und wann, wo und wie wir irgendwo auftreten werden. Zudem verweist er mich noch auf seine Internetseite, auf der man seine Referenzen nochmals nachlesen könne. Ich besuche voller Interesse diese Seite und stelle fest, dass außer zwei 13-jährigen Mädels, die gelangweilt auf einem Hocker, in einem völlig veralteten Tonstudio, sitzen, keine weiteren Referenzen zu finden sind. Die Seite wirkt sehr einfach, mit einem Homepagebaukasten in wenigen Minuten, zusammengestellt. Ich finde kein Impressum, keine Kontaktdaten und auch sonst keine Informationen zu ihm als Person. Also antworte ich auf seine absurde Nachricht, dass wir an keinerlei Zusammenarbeit mit ihm interessiert sind, keinen Vertrag bei ihm unterschrieben haben oder jemals unterschreiben werden und er seine ach so tollen Auftritte gern allein absolvieren könne. Ich schreibe außerdem, solle er nochmals mit uns in Kontakt treten, würde es rechtliche Konsequenzen für ihn haben.

Für Peter und mich war diese Sache nun endgültig vom Tisch. Uns wird dieser Supermanager nicht um den Finger wickeln. Allen anderen befreundeten Musikerkollegen, denen ich diese Story erzähle, schütteln nur mit dem Kopf und nennen ihn einen "Spinner", "Hochstapler" und "Verbrecher". Sie sind der gleichen Meinung wie ich und hätten genauso reagiert. Marcel dagegen fliegt voll auf die Masche rein. Nur ein paar Tage später schreibt er mir eine SMS, dass er sofort aus der Perlenfischer-Band aussteigen möchte, um eine Solokarriere zu starten und wir nicht mehr mit ihm rechnen sollen. Sofort ist mir klar, wer hinter dieser ganzen Sache stecken muss. Ich schreibe also unserem Drummer, er solle nochmal zur nächsten Probe kommen und mit uns persönlich reden. Darauf antwortet er allerdings nur: "Das verbietet mir mein Manager." Ich denke mir noch: Okay, Marcel möchte voll auf die Schnauze fliegen und sich nicht davon abbringen lassen, dann rede ich jetzt mit Peter und wir lassen ihn ziehen, wo auch immer er hin möchte." Peter sagt mir am Telefon: "Wahrscheinlich wird Marcel irgendwann wieder bei uns anklopfen, wenn er merkt, auf welchen Blödsinn er sich da eingelassen hat." Ich gebe ihm Recht und schreibe Marcel, dass, wenn er jetzt die Band verließe, nie wieder zurückkommen könne. Und so geben wir, nach nur drei Monaten und einem gemeinsamen Auftritt mit Marcel, seinen sofortigen Austritt aus der Band bekannt.

Natürlich interessiert es uns danach, ob Marcel mit diesem Manager tatsächlich erfolgreich werden kann. Wir verfolgen über Facebook, was er solistisch so anstellt. Einen Auftritt hat Marcel wohl mal in einer Kirche gehabt. Das Konzert war allerdings sehr schlecht besucht. Das sah man auf den Fotos - und so bewahrheitet sich schon bald Peters Vermutung: Marcel schreibt uns kurz nach seinem Soloauftritt an, ob wir noch einen Schlagzeuger bräuchten, dass man diesen Typen von Manager ja absolut in die Tonne treten könne, er sehr viel Geld verloren habe und nun wieder zu uns zurück wolle. Nach einem kurzen Telefonat mit Peter steht fest: Marcel hatte seine Chance vor dem Ausstieg mit uns zu reden. Er nahm sie nicht wahr und bekommt somit auch keine zweite Chance in unserer Band. Ich sage ihm daraufhin freundlich ab und wünsche ihm alles Gute für seine musikalische Zukunft. Einige Monate später folgt noch eine weitere Anfrage von ihm, die wir abermals ablehnen. Das restliche Jahr werden wir die anstehenden Auftritte unserer Band also wieder zu zweit absolvieren.

Ein paar Jahre später sehen wir dann Marcel im Fernsehen wieder. Er hat sich bei der RTL-Sendung "Deutschland sucht den Superstar" beworben und es bis zum ersten Recall geschafft. Gesanglich klingt es recht gut, aber ich bin immer noch davon überzeugt, dass er für dieses Business einfach nicht gemacht ist. Er ist zu leichtgläubig und viel zu naiv. Wer weiß, vielleicht täusche ich mich auch und man sieht ihn irgendwann als Superstar durch die Landen tingeln, auch das wäre für mich absolut okay, würde aber an meiner ganz persönlichen Meinung zu ihm wahrscheinlich auch nichts ändern.

Es ist an der Zeit, sich wieder um realistischere Dingen zu widmen und sie ganz real umzusetzen, auch ohne großartigen Manager.

Im Frühjahr 2013 arbeite ich weiter an meinem Flutsong, den ich bereits 2002 angefangen hatte zu schreiben. Ein Song für die zahlreichen Helfer, die beim Jahrhunderthochwasser selbstlos mit angepackt haben und etliche Haushalte und Einrichtungen vor noch größerem Schaden bewahrt haben. Seit 2002 bastelte ich immer wieder am Text und der Melodie zu diesem Song, war aber mit dem Ergebnis selbst nie wirklich zufrieden. Nun, wo sich in Dresden die zweite große Flut ankündigt, will ich den Song aber endlich fertig bekommen. Ich setze mich mit Andreas Bosin, dem Produzenten der Band SEDONY in Verbindung und frage ihn, ob er mir bei meinem Problem mit diesem Lied helfen könne. Da er als Bassist mit seiner eigenen Band NADA NIENTE schon oft mit uns gemeinsam auf der Bühne stand, kennen wir uns recht gut. Andreas lädt mich prompt in sein Homestudio ein, um mir bei meinem Flutsong etwas unter die Arme zu greifen und ihn auch gleich final aufzunehmen.

Bei der Vorbesprechung zur Produktion lerne ich den Songwriter und Frontmann der Band SEDONY persönlich kennen. Er hört auf den Namen Hannes Tuchel und trat als Headliner beim Lindenauer Dorffest auf, bei dem die Perlenfischer-Band 2012 als Opener spielte. Ich hatte schon viel Gutes von Hannes gehört und so ist an diesem Tag im April eine Zusammenarbeit entstanden, an die ich mich noch immer sehr gern erinnere, weil sie einen weiteren Meilenstein in meinem Leben als Musiker darstellt. Als ich das kleine Studio betrete, sitzt Hannes am Keyboard und klimpert zum Spaß einfach drauf los. Er spielt "Nothing Else Matters" von METALLICA und "Als ich fortging" von DIRK MICHAELIS in einer unsagbaren Perfektion, dass mir für einen Moment der Atem wegbleibt. Hannes ist ohne Zweifel ein Multitalent. Er spielt außerdem Gitarre, Klavier, Schlagzeug, Bass und vieles mehr. Seine Stimme klingt herzerwärmend und gefühlvoll, sodass man ihm einfach gern zuhört. Nach der Besprechung mache ich mich auf den Heimweg und weiß, dass hier etwas Grandioses entstehen wird.

Einige Wochen später fahren Peter und ich erneut nach Radebeul zu Hannes und Andi, um dem Song seinen letzten Feinschliff zu verpassen. Der Text und die Melodie wurden von den beiden bereits komplett umgemodelt. Wenn man sich heute unseren ersten Proberaummitschnitt des Songs anhört und danach diese neue Version, könnte man denken, es handle sich um zwei völlig verschiedene Lieder. Einfach unglaublich, was daraus geworden ist! Wir nehmen den Flutsong direkt vor Ort auf und geben ihm den Titel "Wir danken Euch".

Auch wenn ich mich hier wiederhole: Hannes ist ein Profi, nicht nur im Songwriting. Er spielt für unseren Song "Wir danken Euch" den Bass, das Schlagzeug, die Keyboards und das Gitarrensolo ein, ohne das Alles irgendwie vorher üben zu müssen. Das, was man später auf der CD hören wird, ist der erste Versuch von ihm, den wir direkt so übernehmen, weil es zum Moment der Aufnahme, kaum besser vorstellbar ist. Wir beschließen, eine limitiere Single zu veröffentlichen, die auch den Namen des Flutsongs trägt. "Wir danken Euch" erscheint mit einer zusätzlichen Instrumentalversion des Songs am 29. November 2013 im Eigenvertrieb unserer Band, nur neun Monate nach dem Debütalbum "Hinter den Städten". Ich bin fest davon überzeugt, dass es in der nächsten Zeit öfter eine Zusammenarbeit mit Hannes, oder auch Andreas geben wird. So wird mich Hannes zum Beispiel ein paar Jahre später fragen, ob ich für sein nächstes Album passende Songtexte beisteuern könnte. Ich muss nicht lange überlegen um zuzusagen und so tragen heute einige Songs von ihm meine Texte in die weite Welt hinaus.

Am liebsten würde ich Hannes und Andi direkt in unsere Band aufnehmen, um nicht länger mit Peter allein von Bühne zu Bühne zu tingeln. Als Duo ist man musikalisch ja doch sehr in seiner Kreativität eingeschränkt. Es fehlt, auf die Dauer gesehen, ein Schlagzeuger, ein Bassist und an musikalischer Abwechslung. Hannes und Andi sind allerdings in ihren eigenen Projekten so stark eingespannt, dass sie schlicht und ergreifend keine Zeit haben, in der Perlenfischer-Band fest einzusteigen. Schade, aber es muss auch ohne sie gehen.

Im Sommer 2013 stehen dann wieder ein paar Konzerte an. Mit einem 90-minütigem Auftritt, anlässlich der "Fete de la Musique", startet am 20. Juni 2013 unsere diesjährige Konzertsaison - zwar etwas später als sonst, aber egal. Die Bandtechnik wird einen Tag vorher auf Herz und Nieren geprüft, damit beim Konzert am Freitag dann auch alles reibungslos klappt. Schließlich stand die Gesangsanlage und der Gitarrenverstärker, durch die Zeit im Studio, nun fast ein halbes Jahr still. Am frühen Nachmittag wird der ganze Kram im Auto unseres Roadies Kalle verstaut. Als wir gegen 15 Uhr in der Location eintreffen, wird gerade noch die Bühne fertig aufgebaut. Wir vertreiben uns derweil die Zeit am Catering des Dresdner Wächtergartens. Doch dort gibt es zu unserem Entsetzen nur veganes Essen, Kräutertee und Rotwein. Das ist für viele Künstler, die dort mit uns auftreten, sicher köstlich, aber für Kalle, Peter und mich, als Liebhaber von richtigen Fleischwaren, ein echtes Problem. Auch an Kräutertee und Rotwein kommen wir geschmacklich nur selten heran. Ich probiere zwar kurz vor dem Soundcheck den veganen Kuchen, entschließe mich dann aber doch lieber auf den Weg zum nächstgelegenen Supermarkt zu machen, um mir eine Großpackung Buletten und ein Sixpack Bier zu organisieren. So muss ich an diesem lauen Sommerabend wenigstens nicht hungern oder verdursten und kann mich satt und zufrieden auf meinen Auftritt konzentrieren. Nach unserem Technikaufbau und kurzem Soundcheck startet unser Live-Programm bei strahlendblauen Himmel und angenehmer Temperatur. Optimale Bedingungen für ein Openair. Während des Konzertes füllt sich dann allmählich auch der Hof des Wächtergartens und die nächste Band steht unlängst in den Startlöchern. Leider können wir aus zeitlichen Verschiebungen und den Anweisungen des Veranstalters nicht alle Lieder unserer Setlist spielen und müssen unser Programm um ganze vier Lieder kürzen. Bei dem Song "Apfeltraum" reißt mir dann auch noch eine Saite und so spielen wir den letzten Song nur noch unplugged mit meiner Ersatzgitarre, die leider keinen Kabelanschluss hat. Auch Peters Mikroständer hatte sich in diesem Lied selbstständig gemacht. Es kommt uns so vor, als würde die Technik sich rächen wollen, dass wir nun gleich widerwillig von der Bühne herunter müssen. Live ist eben live. Dennoch haben wir jede Menge Spaß und durch unseren Techniker auch durchgängig einen perfekten Sound. Im Anschluss verkaufen wir dem Publikum diverses Merchandise und schauen der zweiten Band beim Aufbau zu. Völlig überraschend werden wir gebeten, mit der zweiten Band nochmal auf die Bühne zu gehen um eine Zugabe zu spielen. Gesagt, getan. Wir spielen "An den Ufern der Nacht" und anschließend den "Dresden-Blues" als Longversion. Dabei werden wir tatkräftig vom Schlagzeuger, Gitarristen und Saxofonisten der Gruppe BS19 unterstützt. Bevor wir die Veranstaltung verlassen, lauschen wir dieser Band noch ca. eine halbe Stunde.

Der nächste Auftritt wird am 5. Juli 2013 im Rahmen des "Hofspektakels" der Adolph-Kolping-Berufsschule stattfinden. Dieser Tag beginnt so früh wie noch nie für unsere Band. Bereits 6 Uhr morgens trifft Peter zum ersten Kaffee in meiner Wohnung ein, denn wir sollen schon um 7.30 Uhr an der Location sein.

Als wir pünktlich auf dem Schulhof ankommen, erwartet uns bereits der Veranstalter und begrüßt uns herzlichst. Bei einem gemeinsamen Frühstück besprechen wir die letzten Details mit den Programmverantwortlichen und beobachten den Technikaufbau auf der Holzbühne, auf der wir ab zirka 9.30 Uhr auftreten sollen. Wir sind Teil eines kunterbunten Bühnenprogramms. Nach einem Literaturwettbewerb, einer musikalischen Darbietung eines mir unbekannten Rappers, einem Auftritt einer jungen Frau mit Blockflöte und der hauseigenen Schulband RED GROOVE wird es dann einen zweiten Auftritt von uns geben. Zusammen mit Jörg und Adam am Schlagzeug und Sandra als Backgroundsängerin, alles Musiker der Schulband, werden wir ungeprobt den "Dresden-Blues", "Marmorstein und Eisen bricht" sowie den Song "Junimond" performen. Den rund zweihundert Zuschauern gefällt es und wir genießen es, in einer so großen Formation zu spielen. Als das Schulfest dann gegen 13 Uhr endet, unterhalten wir uns noch sehr lang mit den Musikern im Backstage-Bereich, während auf dem Schulhof beim Bühnenabbau unser Album "Hinter den Städten" abgespielt wird. Wir werden gefragt, ob wir im kommenden Jahr wieder dabei sein möchten und sagen zu.

Eine Zusage hat von uns außerdem das Wohnheim für geistig- und körperlich behinderte Kinder der AWO, auf der Fischhausstraße in Dresden, bekommen. Diese Einrichtung ist keine fünf Minuten Fußweg von meiner Wohnung entfernt, was für ein Luxus. Am 12. Juli 2013 spielen wir zwölf Songs vor unsagbar dankbaren Kinder und deren Betreuern. Ein kleines Mädchen zeigt uns vor unserem Auftritt stolz ihr Schulzeugnis und erzählt uns viel über den Alltag in diesem Heim, direkt am Rand der Dresdner Heide. Manche Bewohner sind aber zum Teil komplett gelähmt und können sich nicht so schnell bewegen wie sie. Trotzdem sieht man ihnen allesamt an, dass die Musik etwas in ihnen auslöst. Ihre Freude ist so intensiv, dass sie trotz ihrer Lähmung in der Lage sind, eine Reaktion auf die Musik zu zeigen. Sie fangen an, in ihren Rollstühlen zu wippen, versuchen mitzusingen und man kann ein leichtes Lächeln erahnen. Es ist unsagbar ergreifend, das erleben zu dürfen und berührt mich sehr, auch noch viele Tage nach dem Auftritt. Neben den ganzen emotionalen Momenten kämpfe ich bei diesem Auftritt aber auch noch mit den Nachwehen vom Zahnarzt, denn ich war am Vormittag noch bei einer Operation und mein Mund war bis zum Ende des Soundchecks gänzlich betäubt. Zusätzlich plagt mich eine Sehnenscheidenentzündung in der linken Hand und ein leichter Magen-Darm-Infekt, der mich aber natürlich nicht davon abhält, den Auftritt durchzuziehen. Abhalten wird uns letztlich allerdings die gerissene Gitarrensaite nach dem vierten Lied. Wir müssen abbrechen, um neue Saiten aufzuziehen, wie peinlich! Für uns springt ein Zauberer ein, der eigentlich erst nach uns dran sein sollte. Nach seiner 45-minütigen Show, machen wir uns erneut bereit, um unser Programm fortzuführen. Vorher wird noch ganz offiziell der neue Kletterberg für die Heimbewohner eröffnet. Gegen 18.30 Uhr beenden wir das Programm schließlich, damit die Besucher des Sommerfestes und die Bewohner der Einrichtung, am Grill ihr Abendbrot zu sich nehmen können.

Uns bleibt, durch die anschließende Urlaubszeit, nur sehr wenig Zeit zum zum Üben für die nächste Mugge. Und doch werden wir, mit einem recht sicheren Gefühl, am 10. August im Kunsthof Mockethal in Pirna auftreten können.

Schon während der Fahrt dorthin entdecken wir ein riesiges Veranstaltungsplakat mit unserem Logo, was uns durch seine Größe mächtig zum Staunen bringt. Gegen 13.30 Uhr treffen wir schließlich an der Location ein, um uns mit der dörflichen Umgebung, am Rande der Stadt Pirna, vertraut zu machen. Wir laden unsere Technik aus dem Auto und genießen das wunderbare Wetter des Nachmittags. Dabei unterhalten wir uns mit DJ FRANK, der gerade dabei ist, seine Technik aufzubauen, um später die Leute mit Hits aus vier Jahrzehnten zu beschallen. Anschließend helfen wir den anwesenden Technikern beim Bühnenaufbau und machen einen kurzen Soundcheck. Direkt im Anschluss kommt die Band "LUC STARGAZER" zum Soundcheck und es gibt von den Dorfbewohnern die ersten Beschwerden wegen der Lautstärke, die man doch auf ein Minimum reduzieren solle. Die Zeit bis zum Auftritt nutzen wir für Gespräche mit den anderen Künstlern und für ein Kennenlernen mit den Damen und Herren vom Q24 Pirna, für die dieses heutige Benefizkonzert stattfinden soll. Das Q24 ist eine angesagte - und von vielen Bands sehr gern gebuchte - Location in Pirna, die aufgrund des Hochwassers sehr großen Schaden genommen hat und nun durch dieses Konzert eine möglichst hohe Geldsumme für die Schadensbehebung erhalten soll.

Pünktlich 19 Uhr betreten wir als erste Band die Bühne, um den ca. 150 Besuchern unser anderthalbstündiges Live-Programm darzubieten. Ein warmer Sommerregen soll bei den ersten fünf Liedern unser ständiger Begleiter sein. Das stört uns aber nicht, denn wir haben als Besonderheit an diesem Abend zwei neue Songs im Gepäck, die wir erstmals live spielen und uns den Regen vergessen lassen: "Wir danken Euch" und "Nur ein Traum". Nach uns spielt JOE'S DADDY zahlreiche eigene Songs und covert viele Songs, unter anderem von GERHARD GUNDERMANN. Direkt im Anschluss rockt die Indie-Rockband LUC STARGAZER den letzten Akt des Konzertes. Wir feiern zusammen bis tief in die Nacht mit unserer neuen Komplizin Selina, die sich bereit erklärt, Fotos von unserem Auftritt zu machen und erstmals auch als meine neue Backlinerin zur Verfügung zu stehen. Auch Ringo ist dabei, ein langjähriger Freund von Peter, der unseren Auftritt filmt und ebenfalls Fotos von uns schießt. Nicht vergessen darf man an dieser Stelle aber Peters Vater, der den ganzen Tag mit dem Auto auf Achse ist, um uns von A nach B und wieder zurück zu transportieren.

Weiter geht es für Peter und mich am 5. September 2013 mit einem Besuch beim PUHDYS-Fantreffen in Spreenhagen, im Herzen von Brandenburg. Pünktlich um 12 Uhr treffen wir uns mit DJ ZOPF und seinem Kumpel Thomas, die sich bereiterklärten uns zu chauffieren, denn weder Peter noch ich haben einen Führerschein, geschweige denn ein Fahrzeug für unsere Band. Die Chauffeure sind echt zwei dufte Typen, die uns mit jeder Menge Humor und flotten Sprüchen die knapp zweistündige Fahrt sehr versüßen. Als wir ankommen, beziehen wir unser Quartier in einer Jugendherberge im Ortsteil Braunsdorf, wo schon unzählige Fans der PUHDYS vor uns eingecheckt haben. Anschließend begrüßen wir den Gastgeber Ulli und seine Frau Kerstin, die dieses besondere Fest aller zwei Jahre in ihrem Garten ausrichten. Wir sehen uns, gemeinsam mit ihnen, den PUHDYS-Trödelmarkt an und beteiligen uns an einer Fotoaktion für die Deutsche Krebsstiftung. Generell werden dort viele Aktionen gestartet, um Geld für den guten Zweck zu sammeln und wer uns kennt weiß, dass wir immer für Charity-Aktionen zu haben sind. Auch gibt es ein Wiedersehen mit unzähligen Fans, die wir schon oft bei den Konzerten der PUHDYS gesehen haben, so auch mit Romy aus Chemnitz, die unser Bandlogo entwarf. Wir können sie überreden, mit uns ein paar Schnappschüsse an ihrem sehr außergewöhnlichen PUHDYS-Trabant zu machen, bevor wir uns an der Gulaschkanone die Bäuche füllen und ein paar Bierchen trinken. Ab 17.30 Uhr trafen dann nach und nach auch die Mitglieder der PUHDYS beim Fantreffen ein. Erst Klaus Scharfschwerdt, dann Dieter "Quaster" Hertrampf, Dieter "Maschine" Birr, Peter "Eingehängt" Meyer und, last but not least, Peter "Bimbo" Rasym. Wir haben das erste Mal die Gelegenheit unseren Idolen ganz nah zu sein, mit ihnen zu sprechen und Erinnerungsfotos zu machen. Auf der Bühne rockt derweil die ACDC-Coverband DR. KINSKI und bringt dem Publikum, von ca. 150 Leuten, nicht nur das Luftgitarre spielen, sondern auch das wilde Tanzen bei. Doch nach diesem Konzert ist der Abend noch lange nicht vorbei. Ehrlich gesagt, beginnt er für unsere Band erst so richtig. Ich packe im Partyzelt meine Gitarre aus und es werden unplugged einige Songs, wie zum Beispiel das "Gänselieschen" von RENFT, "Es war schön" von den PUHDYS und der neue Perlenfischer-Song "Jeden Tag", geschmettert. Anschließend ziehen Peter und ich mit Gesang und Melodie zum Lagerfeuer und spielen dort weiter. Gegen 1 Uhr verlassen wir die Gartenparty und machen uns auf den Weg zur Jugendherberge, wo wir ebenfalls noch ein paar alte und auch brandneue Titel spielen. Bis kurz vor 4 Uhr werden wir noch gemütlich beisammen sitzen. Völlig unterkühlt und müde verschwinde ich dann aber gegen 4.30 Uhr auf meinem Zimmer, dass ich mir mit Peter teile. Es soll eine kurze Nacht sein, denn pünktlich 7.30 Uhr weckt mich das zarte Geräusch eines Rasenmähers und so begebe ich mich völlig übermüdet und mit einem leichten Kater wieder in den Garten von Ulli und Kerstin, um ausgiebig zu frühstücken. Gegen 11.30 Uhr treten Peter und ich, zusammen mit DJ Zopf und seinem Kumpel, den Heimweg nach Dresden an.

Das letzte Konzert in diesem Jahr wird das, mittlerweile traditionelle, und nunmehr dritte Weihnachtskonzert unserer Band, am 7. Dezember 2013 im Dresdner Volume11 sein. Dreieinhalb Stunden Show wird die Veranstaltung dauern, für die wir fast ein halbes Jahr intensiv geprobt haben.

16 Uhr ist Konzertbeginn und wir starten mit achtzehn Liedern den ersten Konzertteil, darunter der Song "Geboren um zu leben" von UNHEILIG, als Gesangsduett mit Peter und mir und der PUHDYS-Titel "Glücksstern", der sehr gefühlvoll von Peter gesungen wird. Auch zwei neue eigene Songs mit dem Titel "Winterzeit" und "Wo Du auch bist" erleben ihre Uraufführung. Zwischendurch wird das Publikum durch unseren Special Guest überrascht: MIMEMARIO präsentiert pantomimisch seine Sketche "Das Geschenk", "Duschen", "Die Rose" und "Die drei Weisen aus dem Morgenland". Sein Auftritt ist ein voller Erfolg und sorgt für reichlich Abwechslung beim Publikum, welches seine Begeisterung in minutenlangem Applaus ausdrückt. Nach einer fünfzehn minütigen Pause präsentieren wir im zweiten Konzertteil die restlichen einundzwanzig Songs unseres gesamten Repertoires. Darunter befindet sich nochmals ein neuer Song von uns, der den Titel "Ich bin da" trägt. Bei diesem Song begleitet mich meine Backlinerin Selina am Keyboard. Es soll aber der einzige Auftritt von ihr in unserer Band bleiben. Die Stimmung ist grandios und so geht kurz vor 20 Uhr ein tolles und ebenso unvergessliches Konzert und Jahr zu ende.